|
Historie der Narrenzunft Kehler Schlammhexen
Mit dem Kehler Goldonkel von 1802 e.V

Liebe Närrinnen / Narren, Interessierte und Freunde,
im Namen der Narrenzunft möchte ich Sie recht herzlich begrüßen und Sie über die Entstehung und Gründung der Zunft, die verschiedenen Traditionen und das Brauchtum der alemannischen Fastnacht informieren. Als Quellen hierzu dienten mir Aufzeichnungen der Narrenzunft, Brauchtumsvortag von Rainer Domfeld, Präsident des Ortenauer Narrenbundes, sowie Frau Dr. Ute Scherb, Archiv und Museum der Stadt Kehl.
Nun ein kurzer Abriß über die Entstehung der Fastnacht, welches als ältestes, bestehendes Volksfest seit über 900 Jahren präsent ist.
Derzeit gibt es drei verschiedene wissenschaftliche Auffassungen über die Entstehung der Fastnachtsfeier.
Die erste : Die Fastnacht entstammt den Winteraustreibungsbräuchen, die Fastnacht wäre dem zufolge heidnischen Ursprungs.
Die zweite: Sie könnte nicht konträrer zur ersten sein, die Fastnacht ist ein rein christliches Fest ,
das in all seinen Formen bewusst und gewollt so von der christlichen Kirche eingerichtet worden ist.
Die dritte: Die Fastnacht selbst bezieht sich auf das christliche Kalenderjahr, dessen Bräuche bildeten
sich jedoch aus rein ökonomischen, also wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus.
Im Übrigen ist sich die heutige Fastnachtsforschung einig, daß dieFastnacht dem christlichen Kalender entstammt,heftige Diskussion bis zum heutigen Tag ergibt sich jedoch aus der Frage ,wie die Fastnachtsbräuche entstanden sind und welcher Sinn dahinter steckt.Niemand kann wirklich wissen, was wahr ist.Was wir heute für wahr und richtig halten,hängt von dem Jahrhundert ab,in dem wir leben.Daß Fastnacht ein Festkomplex christlicher Prägung ist, bleibt heute wissenschaftlich unumstritten. Fastnacht oder niederdeutsch, in Köln oder Aachen als Vastelovend bezeichnet, bedeutet — die Nacht vor der Fastenzeit.Fasching kommt ursprünglich von Vostschang und Faschang, und das ist kein Provinzchinesisch,sondern bayrisch und bedeutet nichts anderes als — der Ausschank eines Fastentrunks.Karneval bedeutet lateinisch carnelevare,was übersetzt — die Wegnahme des Fleisches bedeutet.Wir erkennen, dass die drei großen deutschen Fastnachtsfeste,die alemannische Fasnet, der Karneval und der Fasching sich allesamt auf einen gemeinsamen Punkt beziehen: die Fastenzeit.

Hinzufügen möchte ich noch, dass diese drei großen Fastnachtsformen alle die gleichen Wurzeln haben.
Folgendes Zitat könnte nicht treffender sein: »Die Fastnacht ist ein Baum, an dem — Wunder der Natur
verschiedene Früchte wachsen«.Die Fastnacht ist somit bedingt durch die vierzigtägige vorösterliche
Fastenzeit, der »Quadragesima«. Wir wundern uns, warum ie Fastnacht einmal lang und einmal kurz
ist. Zufall oder Absicht? Absicht. Der jährlich wechselnder Zeitpunkt der Fastnachtst nicht beliebig,
sondern er richtet sich nach dem Kirchenjahr, genauer gesagt nach dem jeweiligen beweglichen
Ostertermin,der sich seinerseits am variablen Datum des ersten Frühlingsvollmondes ausrichtet.
Insgesamt gibt es 36 verschiedene Oster- und somit auch Fastnachtstermine.
Was hat der mittelalterliche Narr mit Fastnacht zu tun?
Narren und Fastnacht gehören heute zusammen wie das Amen und die Kirche.War das immer schon so?Sie bemerken natürlich, worauf ich hinaus will.Dass dem eigentlich nicht so war.Die Fastnacht und der Narr waren ursprünglich zwei paar Stiefel und: Was hatte die christliche Kirche damit zu tun? Für das ursprüngliche Verständnis des Fastnachtsfestes ist es meiner Ansicht nach besonders wichtig,daß man das Feiern der Fastnacht ab dem 12. Jahrhundert als völlig unschuldiges Vergnügen fernab von jeglicher moralischen Wertung sieht.Man ordnete die Fastnacht direkt dem Himmelreich, sogar Christus zu.
Fastnacht hatte bis ins 14. jahrhundert hinein den Charakter eines absolut unschuldigen Vergnügens.
Eine Zeit des Überflusses, ja man nannte die Fastnacht auch den Himmel auf Erden.Das änderte sich
jedoch im 15. Jahrhundert.Gleichzeitig mit dem Abflauen der mittelalterlichen Mystik sah die Kirche
die Fastnacht nicht mehr als fröhliches, unschuldiges Freudenfest an.Nein, man sah die Fastnacht
nun nicht mehr als ein selbständiges Fest an, sondern man sah es als klaren Kontrast zur Fastenzeit an.
Die Fastenzeit, ein Zeichen des gottgefälligen Lebens, dem stand nun die Fastnacht als falsches,
gottfernes Dasein gegenüber.Aus der himmlischen Fastnacht wurde nun plötzlich ein Teufelsfest.

Als Grundlage galt der Kirche die Zweistaatenlehre des Hl. Augustinus, der von der »Civitas die«,
dem Himmelsstaat, und der »Civitas diaboli«, dem Teufelsstaat sprach.Als Himmelsstaat bezeichnete
er die Menschen, die ein gottgefälliges Leben führen, als Teufelsstaat wurde nun die Fastnacht
bezeichnet, quasi als abschreckendes Beispiel, als gottloses Spiel,bei dem der Teufel nur selbst
die Hand im Spiel haben konnte.

Der Clown ist der Bauer
Dieses Auftreten war wieder ein weiteres Indiz für die Kirche, daß die Fastnacht nur vom Teufel
selbst initiiert worden ist. Und so war es auch. Es entwickelte sich daraus eine Revue von fastnächtlichen
Negativgestalten,wie der Teufel, der Wilde Mann und die Wilde Frau (die heutige Hexenfigur),sozial
verachtete und verlachte, wie Bauern (Entstehung Dörper Tölpel, oder Engl Colonus,Bauer, der Clown)
alte Weiber und Ungläubige und Heiden, die dem christlichen Gedankengut nicht entsprachen.
Eine weitere Konsequenz daraus: Die Gestaltung der Fastnacht wurde immer aufwendiger.Die
Darsteller brauchten nun, um in die entsprechenden Rollen schlüpfen zu können,einen speziellen
Kostümfundus. Die perfekte Wirkung erreichte man jedoch erst durch das Einsetzen von
Gesichtsmasken. War das Tragen von Masken vor dem 14. Jahrhundert noch spärlich,so nahm
es im 15.Jahrhundert sprunghaft zu. Masken wurden eigentlich bei Kirchenfesten und Prozessionen
getragen, als Versinnbildlichung des Teufels. Kurios: Nachweislich wurden aus dem Kirchenfundus
Teufelskleider und Masken für die Verwendung an Fastnacht verliehen. Somit war das erste
Kostüm- und Maskenverleih-Unternehmen die Kirche.
Liebe Leser und Leserinnen, nun kennen Sie die Entstehung der Fastnacht in einer kurzen Zusammenfassung, welche natürlich lückenhaft ist. Ich kann Ihnen hierzu, den Brauchtumsvortrag „ Wir müssen wissen, was wir an Fastnacht tun“ von Rainer Domefeld, Präsident des Ortenauer Narrenbundes empfehlen, von dem die o.a Abhandlung stammt. Der Vortrag, ist auf der Internetseite des Verbandes eingestellt.
Brauchtumsvortrag, von Verbandspräsident des ONB, Herrn Domfeld
Hexen in der alemannischen Fastnacht
Zum Ursprung des Begriffs »Hexe«
Hexe, für saga, venefica, incantatrx, althochdeutsch, hagazussa und verkürzt hazus,
hazes, hazissa, ags, hägtesse, englisch hag, mittelhochdeutsch hecse, hexse, hesse.
Zur Erklärung der eigentlichen Bedeutung von Hexe sind mannigfache Versuche gemacht worden.
Die Bezeichnung des althochdeutschen zussa dürfte zusammenhängen mit verderben,
schädigen, verderben. Hag bedeutet Landgut, Feld und Flur. Die Hexe (hagazussa) ist demnach die das Landgut, Feld und Flur Schädigende.
Es ist bekannt, dass die Hexe zu den beliebtesten Maskenfiguren innerhalb der alemannischen Fastnacht zählt. Die Zünfte, die über einen solchen Hästyp verfügen, kennen in der Tat keine Nachwuchssorgen. Insbesonders an den vielen Neugründungen der zurückliegenden zehn Jahre bemerkt man, dass die Hexe Hochkonjunktur besitzt. Die Gründe sind schnell aufgezählt: Eine Hexe ist wild, beweglich, kann rennen, springen und klettern. Eine gewisse »Wildheit« und »Zügellosigkeit« und »Boshaftigkeit« scheint dieser Figur sozusagen von Natur aus anzuhaften. So mancher Hästräger wälzt sich auf dem Boden, erklimmt Balkone oder treibt vorrangig mit dem weiblichen Publikum seine oft recht derben Possen
Die Hexe offeriert dazu noch eine ganze Bandbreite an publikumswirksamen Darbietungsmöglichkeiten wie beispielsweise Hexentaufe, Hexentanz, Hexengericht oder Hexenverbrennung inklusive Hexensprung übers Feuer. Immer wieder riefen diese Zeremonien Kritiker auf den Plan, aber auch das Verhalten der Maskierten selbst. Von einer Verunglimpfung der Opfer mittelalterlicher Hexenverfolgung war ebenso die Rede wie von nicht zu tolerierenden Entgleisungen gegenüber den Frauen und Mädchen am Straßenrand. Einige Zünfte und Gruppen gingen dazu über, jedes Häs mit einer Nummer zu versehen, um eventuelle Übeltäter identifizieren zu können. Dem Vorwurf der Verunglimpfung begegnet man mit dem Hinweis, dass die Fastnachtshexe den Märchenillustrationen der Romantik nachgebildet sei und deshalb allenfalls indirekt mit dem Mittelalter in Verbindung stehe. Die Hexengruppen, die ihre Gründung auf die mittelalterliche Hexenverfolgung und Hexenprozesse beziehen, liegen nicht nur falsch mit ihrer (Be)Gründungstheorie, nein, sie liegen badisch ausgedrückt, sogar granatenmäßig grottenfalsch.
Auf fundierte wissenschaftliche Abhandlungen jedoch, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die Figur Hexe in die Fastnacht gelangte, konnten sich die Verantwortlichen bis Ende der 1980er Jahre nicht beziehen, da es sie nicht gab. Erst der Tübinger Volkskundler Jörg Kraus beschäftigte sich ausführlich mit der Thematik. Daneben ging auch der Freiburger Volkskundler Werner Metzger in seinen Arbeiten auf die Fastnachtshexe ein. Auf der Grundlage dieses Forschungsstandes wurde die folgenden Ausführungen von Dr. Jochen Schicht entwickelt.
Von der Kirche geprägt
Das Bild von der Hexe wurde ähnlich wie jenes des Teufels von der Kirche geprägt. Hatte man lange den Glauben an die Existenz von Dämonen als unwahr abgelehnt, nahmen die Geistlichen etwas seit Beginn des 13. Jahrhunderts diese Vorstellungen in ihre Lehre auf.
Als von Gott zugelassene Mächte wurden heidnische Elemente ausschließlich dem Bösen zugeordnet. Mit diesen neuen Bestandteilen des Glaubenssystems musste sich die Kirche offensiv auseinandersetzen. Man machte die gottlosen Vertreter für die Not der Zeit verantwortlich und verankerte sie im irdischen Weltgeschehen. Teufel- und Hexengestalten entwickelten sich zu volkstümlichen Figuren. 1487 definierten die beiden Dominikaner Institoris und Sprenger eindeutig, mit welchen Merkmalen eine »Hexe« behaftet ist. Sie veröffentlichten ihre Thesen unter dem Titel »Hexenhammer« mit der Folge, dass die seit dem 13. Jahrhundert erfolgte Jagd nach Ketzern ab dem 15. Jahrhundert durch gezielte Hexenverfolgungen abgelöst wurde.
Etwa zur gleichen Zeit begannen Vertreter der Kirche das Fastnachstfest als Werk des Teufels zu betrachten. Im anbrechenden Mittelalter stellte Fastnacht nichts weiter als ein Fest am Vorabend der Fastenzeit dar, in dessen Rahmen nochmals ausgiebig gegessen und getrunken wurde. Ergänzung erfuhren die Zusammenkünfte mit der Zeit durch Tanzveranstaltungen, Schaubräuche und Juxturniere. Die veränderte theologische Bewertung der Fastnacht veränderte Inhalte. Zwar hatte man schon seit dem frühen 15. Jahrhundert damit begonnen, sich zu maskieren, die Art der Vermummung jedoch offensichtlich mehr oder weniger willkürlich gewählt.
Das alte Weib tritt auf
Seit etwa 1450 kristallisierte sich ein festes Figurenrepertoire heraus, das ausschließlich aus Negativgestalten bestand. Man bediente sich dabei nachweislich Kostümen, welche die Kirche für geistliche Schauspiele und Prozessionen bereithielt, um das Böse darzustellen. Neben dem Teufel, wilden Männern und anderen Höllenwesen trat hier auch die Figur des »Alten Weibes« - selbstverständlich immer von Männern dargestellt - auf. Entsprechende Kommentare seitens der Geistlichkeit ließen es als verkleideten Teufel oder des Teufels Handlanger erscheinen. Bis heute tritt das »Alte Weib« im Rahmen des so genannten »Schmutzigen Donnerstags« auf, der in vielen Orten vor allem von Frauen genutzt wird, um unerkannt unbequeme Wahrheiten zu übermitteln.
Eine gewisse inhaltliche Nähe zur dämonischen Hexe lässt sich bei der mittelalterlichen Fastnachtsfigur »Altes Weib« zwar durchaus nachweisen, doch Hexen - obwohl als »Gegenspielerinnen Gottes« wie gemacht für das Figurenrepertoire fastnächtlicher Negativgestalten - tauchten erst Anfang des 19. Jahrhunderts und nur sehr vereinzelt während der Fastnacht auf. Professor Dr. Werner Metzger nennt als Ort der wohl am weitesten zurückreichenden fastnächtlichen Hexentradition Tirol, wo zum Beispiel in Imst noch heute von der »Hexenahle« (Hexengroßmutter), der Hexenmutter, dem Hexenvater bis zur gewöhnlichen Hexe ganze Familien auftreten.
Obwohl noch 1782 eine als »Hexe« titulierte Frau in Europa verbrannt worden war, verwandelten Illustrationen in der Romantik das »Alte Weib«, dem es bislang trotz Affinität zum Teufel an »diabolischem Aussehen« gemangelt hatte, zur klassischen »bösen Märchenhexe«, wie wir sie noch heute kennen. Im Gegensatz zu Künstlern und Dichtern wie Albrecht Dürer, Hans Baldung, Shakespeare oder Goethe, welche Hexen oft jung und erotisch dargestellt hatten, orientierten sich die Brüder Grimm bei ihren Märchenbearbeitungen an Aussagen aus dem 16. Jahrhundert, nach denen Hexen »gewöhnlich alt, lahm, triefäugig, bleich, schmutzig und voll Runzeln sind«. Eine überzeichnete Hässlichkeit prägte fortan die Norm-Hexe des Märchens und entrückte sie dadurch den alltäglichen Lebensbereichen. Sie wurde - ganz im Sinne der damals sich durchsetzenden bürgerlichen Pädagogik - zur Schreckfigur der Kinderzimmer. Somit blieb der ursprünglich von der Kirche bestimmte böse Charakter der Figur erhalten.
Entwicklung des Hexenbildes
Wie sich damals das Hexenbild entwickelte, lässt sich durch den Vergleich verschiedener Märchenfassungen eindrucksvoll demonstrieren. In der handschriftlichen Fassung von »Hänsel und Gretel« erschrecken die Geschwister lediglich über die Stimme, nicht aber über das Aussehen der »kleinen alten Frau«, die noch nicht einmal als »Hexe« bezeichnet wird. Im Erstdruck von 1812 ist es bereits die äußere Erscheinung, welche die Kinder ängstigt. Zudem sprechen die Gebrüder Grimm hier bereits von einer »bösen Hexe«. In der Version von Ludwig Bechstein aus dem Jahre 1857 schließlich ist die Rede von einem »steinalten, krummgebückten, triefäugigen Mütterlein von nicht geringer Hässlichkeit, Gesicht und Stirne voller Runzeln und inmitten eine große, große Nase. Hatte auch grasgrüne Augen«. Andere Märchen des 19. Jahrhunderts lieferten weitere Details wie beispielsweise zotteliges Haar, »das ungekämmt ihr vom Kopfe weit herunter hängt«.
Erst zögerlich doch dann immer häufiger lassen sich im 19. Jahrhundert Hexenverkleidungen nachweisen. Vom in Mode gekommenen Historismus geprägt, fand die Zeit der Hexenverbrennungen in den Geschichtsdarstellungen der karnevalistischen Fastnachtsumzüge ab etwa 1850 ihren Niederschlag. Nach Auffassung von Jörg Kraus hatte man den Schrecken dieser Maßnahmen erkannt und dokumentierte durch die Darstellung die eigene ablehnende Haltung gegenüber der grausamen, menschenverachtenden Praxis. In Saulgau beispielsweise lief 1859 eine Hexengruppe beim Umzug mit, der Teufel wurde in Form eines Ziegenbocks mitgeführt. Wiederum in Saulgau fuhr der elfte Wagen beim »Großen Historischen Festumzug« am Fastnachtsmontag 1896 unter dem Motto »Aus der Zeit der Hexenprozesse«.
Die Verwendung des Hexenmotivs beschränkte sich nicht nur auf die spielerische Auseinandersetzung mit dem Mittelalter. Um die Jahrhundertwende gewann die Hexe ihre identifikatorische Funktion für die Frauenbewegung, die ihrerseits mit Hexenkarikaturen zu kämpfen hatte. Erotische Hexendarstellungen überschwemmten den Kunstmarkt. Hier waren die »Hexen« - wie man sich denken kann - jung, schön und erotisch.
An die Popularität der negativ zu betrachtenden, »bösen« Märchenhexe jedoch reichten diese Adaptionen alle nicht heran. Zur theatralischen Gestalt avancierte sie 1893 durch die Uraufführung von Engelbert Humperdincks Oper »Hänsel und Gretel«. 1912 präsentierte der Zirkus Busch in seiner Manege 200 Hexen und Teufel, die um einen brodelnden Hexenkessel und auf einem durch elektrische Lampen erhellten Scheiterhaufen tanzten. Zum Schluss des Schauspiels kam es zur Verbrennung einer Hexenpuppe. Vorlagen für die erst Jahre später entstandenen fastnächtlichen Hexenzeremonien gab es demnach zuhauf.
Märchenhexe taucht in der Fasent auf
Während der 1930er Jahre tauchte die Märchenhexe dann erstmals in der südwestdeutschen Fastnacht auf. Der Glasmaler Karl Vollmer aus Offenburg machte sich 1933 zusammen mit seiner Frau daran, eine Hexenfigur zu erschaffen, die ein fester Bestandteil der Offenburger Straßenfastnacht werden sollte. Das Ehepaar hatte schon während der 1920er Jahre immer wieder eigene Masken kreiert und im Rahmen von Preismaskenbällen vorgestellt. Ganz im Sinne der romantischen Illustrationen entstand ein hässliches Gesicht. In Offenburg oder in vielen
anderen Orten, trug man bislang während den Fastnachtstagen als »Altes Weib« ein Tuch vor dem Gesicht oder Gazemasken, die im Handel erhältlich waren. Wie es scheint, existiert diese zweite Möglichkeit der Vermummung seit etwa 1900. Sie lässt sich vielerorts nachweisen. Offensichtlich nutzen vor allem Kinder diese Art der Maskierung, um schon mehr oder weniger als »Hexe« durch die Straßen zu tollen. Komplettiert wurde der Aufzug meist durch einen Besen sowie abgetragene, aus der Mode gekommenen Frauenkleider. Bei der Präsentation ihrer »Hexe« im Rahmen des Rosenmontagsballes, der vom damaligen Offenburger Karnevalsverein (Heute: Althistorische Narrenzunft Offenburg) ausgerichtet wurde, stießen sie auf wenig Begeisterung. Erst 1936 ließ man sich überzeugen und gründete im gleichen Jahr die »Offenburger Hexenzunft«.
Gedanken zur Neugründungsflut von Hexengruppen und Narrenzünften
Qualität statt Quantität ist eine Aussage, die sich auch in diesem Bereich bewahrheitet. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn eine fastnächtlich interessierte Neugruppierung den Entschluss fasst, sich eigenständig organisieren zu wollen, doch sollte dies geplant und durchdacht sein. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch betonen, dass ich von der in Mode gekommenen »Abspaltermanie« nichts, aber auch überhaupt nichts halte. Es gibt immer einen Weg des Miteinanders. Man muss aber offene und ehrliche Gespräche führen können.
Ich möchte dies anhand eines Beispieles verdeutlichen. Wenn ich ein Auto kaufen und fahren möchte, dann benötige ich zuerst eine Fahrerlaubnis, sprich einen Führerschein, die finanzielle Vorraussetzung, um es erwerben zu können. Dann sollte ich mir Gedanken machen, für welchen Zweck ich es brauche. Das gleiche gilt für die Gründung einer Zunft oder einer neuen Häsgruppe innerhalb der Zunft.
Ich sollte wissen, was Fastnacht bedeutet, und welcher Sinn hinter den Fastnachtsbräuchen steckt. Handelt es sich um eine Zweit- oder sogar Drittzunft im Ort, so sollten bereits im Vorfeld Gespräche geführt werden, ob eine Neugründung überhaupt notwendig ist, oder ob nicht ein Miteinander besser wäre. Der Zweck jeder Fastnachtszunft oder Fastnachtsgesellschaft ist die Pflege unseres fastnächtlichen Brauchtums vor Ort. Das heißt, die Fastnacht findet in erster Linie im eigenen Ort statt. Jede anständige Zunft und Gesellschaft ist auch ein Stück Heimatverein, die ihre historische Entwicklung im Einklang mit der örtlichen Geschichte vollzieht. Dazu bedarf es keiner neuen Ideen und Modetrends, sondern es bedarf des Wissens um die Fastnacht, des Heimatortes und der Region. Ist dies nicht vorhanden, so hat diese »Neugruppierung« den Namen Zunft nicht verdient, da ja selbst diese Bezeichnung ihren Sinn und Bezug im Mittelalter hat, der wohl innovativsten Zeit der fastnächtlichen Brauchentwicklung überhaupt.
Hex mitem Bese,
fahrt mit de Schese,
d' Schese keit um
und d'Hex isch krumm
Entstehung der Schlammhexe

Im Jahr 1995 entschloß man sich, nicht einfach so durch die Lande zu ziehen und das närrische Treiben als Zaungäste zu verfolgen. Der Gedanke kam auf, einen eigenen Verein zu gründen.
Die Narrenzunft Kehler Schlammhexen, wurde somit am 25.03.1995 durch die Gründungsversammlung ins Leben gerufen.
Der Aufschwung der Kehler Fastnacht in den 90` ern, sollte genutzt werden um die Fastnacht in Kehl, noch mehr zu beleben und an alte, fast schon vergessenen Traditionen festzuhalten.
Zu den Gründungsmitgliedern gehört u.a. Gerlinde Greber, welche noch heute aktives Mitglied in der Zunft ist.
Bei der Suche nach einem Zunftnamen, sollte der historische Bezug zur Stadt, vordergründig sein. Das es eine Hexenzunft sein sollte, stand von Anfang an fest. Der Bezug zur Stadt, das Brauchtum und die Tradition in Einklang mit der Hexe als Figur, waren enorm wichtig und hatten höchste Priorität für die Gründungsmitglieder. Der Name der Zunft, sollte daher eine besondere Bedeutung haben und die Identifikation zur Stadt, sollte im Vordergrund stehen.
Daher wurden im Archiv der Stadt Kehl, mehrere Stunden gestöbert und gelesen um der Zunft einen passenden Namen zu geben.
Dann stieß man darauf, dass Kehl schon Jahrhunderte lang, Opfer von Hochwasser und Überschwemmungen wurde. Der erste offizielle Eintrag über eine Überschwemmung, datiert aus dem Jahr 1313 und der letzte Eintrag aus dem Jahr 1947.
Die Folge von Hochwasser ist viel Schlamm und Schmutz, schlußfolgernd entstand der Name Kehler Schlammhexen.
Die Farbe des Häs ist an die Natur angepasst. Das tiefe braun der Maske soll den Schlamm symbolisieren. Die Masken von 1995 –1997 wurden durch Herrn Wolfgang Duksch, aus Oberkirch hergestellt. Seit 1997, werden sämtliche Masken durch Herrn Berthold Eble, aus Nordrach, gefertigt.
Die Bluse, in der Farbe blau, soll den Rhein (Wasser) darstellen. Auf der Bluse, sind das Wappen der Zunft, eine tanzende Hexe und der Anker der Stadt Kehl, angebracht. Das Wappen der Stadt Kehl zeigt in Silber einen schwarzen Anker, besaitet von zwei roten Rosen. Die Stadtfarben sind rot-weiß.
Das Wappen taucht bereits in den Stadtsiegeln von 1829 auf. Der Anker weist auf die Lage am Rhein (Hafenstadt) hin. Weshalb die Rosen im Wappen zu finden sind, ist nicht bekannt. Sie wurden womöglich als Schmuck beigefügt. Der grüne Rock, soll an Rheinauen und Wiesen erinnern.
Ferner soll die Farbe rot, am Kopftuch und am Schurz des Häses, die Gefahr aufzeigen, welche von Hochwasser ausgeht.
Anlässlich der Gründung, wurde ein Gedicht der Narrenzunft verfaßt und liegt noch im Original vor.
Das Gedicht der Kehler Schlammhexen
Ein junges Mädchen ging allein,in den Kehler Wald hinein.
Doch plötzlich steckte sie im Moor,kam allein nicht mehr hervor.
Da kam ein Waldschrat häßlich und klein,konnte das Mädchen aus dem Schlamm befrein.
Zum Dank wollte er des Mädchens Liebe,doch die schenkte ihm nur Verachtung und Hiebe.
Das hätte das Mädchen nicht machen sollen,denn plötzlich fing der Schrat an zu toben und tollen.
Und er verwandelte sich sogleich,in den Meister aus dem Hexenreich.
Sofort sprach er aus einem grausigen Fluch:Auf dem Kopf sollst du tragen ein Gestell und ein Tuch,
und statt mit deinen hübschen Beinen die Männer zu locken,sollst du sie bedecken mit grün – roten Socken.
In dein Gesicht soll blicken kein Mann,drum soll es jetzt altern und bedeckt sein mit Schlamm.
Sollst nur noch im finsteren Walde leben,und dich mit einem Besen in die Lüfte erheben.
Und bring mir die Leut ob Freund oder Verwand,die werden dann auch zur Schlammhex verdammt.
Nur einmal im Jahr für wenige Wochen,kommt ihr aus dem Wald gekrochen.
Dann sollt ihr den Menschen eure Gutmütigkeit zeigen,und den Winter aus ihrem Lande vertreiben.
Ist der Frühling zurück nach eurem streben,sollt ihr wieder wie gewöhnliche Menschen leben.
Doch jedes Jahr zur selben Zeit,haltet den Besen und eure Kutten bereit.
Den am 11.11. in der Nacht,begebt ihr euch in meine Macht.
Ja liebe Leut dann ist es soweit,dann beginnt eine neue Schlammhexen Zeit.
dann beginnt eine neue Schlammhexen Zeit.
Der Zunftmeister entsteht

Basierend auf das Gedicht, wurde am 11.11.2000 eine neue Figur, der Narrenzunft Kehler Schlammhexen, vorgestellt. Es handelt sich hierbei, um den Zunftmeister in Form einer Teufelsgestalt. (Waldschrat)
Etymologisch und im Volksglauben ist ein Schrat ein Wesen ähnlich eines Alps, Kobolds Natur- und der Waldgeister oder des wilden Mannes.
Die Schrate sind jedoch, anders als Alben, kein kopfstarkes Volk, sondern Einzelgänger (Einzelfigur), die nur vereinzelt auftreten.
Ausgehend von der Etymologie handelt es sich bei dem Schrat um ein
"Menschen- (oder tier-) ähnliches Geistwesen, das im Walde haust, den Alpdruck verursacht, und das in Masken nachgeahmt wird.
Die Maske ist überdimensional groß und hat 2 Hörner. Als Kopftuch ist ein langes schwarzes Fell, welches auch als Beinkleid verwendet wurde, angebracht. Er trägt zudem eine rote Bluse und in der Hand hält er einen gedrehten Stab mit einem Hexenkopf, welcher ihm als Zunftmeister über die Hexen, eine besondere Bedeutung verleiht.

Bewerbung beim Förderverein Kehler Fastnacht ( FKF)
Im Jahr 2005 bewarb sich die Zunft, beim Förderverein Kehler Fastnacht, um eine Mitgliedschaft. Als Patenzünfte fungierten, die Narrenzünfte Kähler Rhinhäxe, sowie die Rhinwaldgeister Kehl.
Nach 2 Jahren Probezeit, wurde die Narrenzunft Kehler Schlammhexen, einstimmig in den Förderverein Kehler Fastnacht ( FKF) aufgenommen, welchem mittlerweile 10 Zünfte aus Kehl und deren Gemeinde angehören.
2008 waren die Kehler Schlammhexen, erstmals mit einem eigenen Narrenzelt, auf dem Kehler Marktplatz anl. des Narrenumzuges des FKF, vertreten.
Ländernarrentreffen „Ortenau trifft Schweiz“

13.-15.Februar 2009 fand ein riesiges Ländernarrentreffen, des Ortenauer Narrenbundes und des Narrensymposium der March und Höfe, in Kehl am Rhein statt. Unter der Leitung des Ortenauer Narrenbundes, hieß es „Ortenau trifft Schweiz“
Ein Sonderzug, mit 1000 Narren, des Narrensymposium der March und Höfe, aus der Schweiz, reiste nach Kehl an, um die Verbundenheit der Narren über die Grenzen hinweg zu zeigen.
Anlässlich dieses Großereignisses und der guten Zusammenarbeit mit dem ONB, wurde am 08. Juni 2009 im Gasthaus Storchennest, in Kehl-Sundheim, durch Beschluß der Vorstandschaft, die Narrenzunft um eine weitere Einzelfigur, erweitert.
In Anlehnung an die Bewerbung, beim Ortenauer Narrenbund im Jahr 2010 und die engere Bindung zwischen Stadt und Verein, ist man zu dem Entschluß gekommen, eine historische Figur mit in die Zunft aufzunehmen. Dank Frau Dr. Ute Scherb, Stadt Kehl, Archiv und Museum ist es gelungen, eine historische Figur aus Kehl zu finden und in die Zunft aufzunehmen.
Der Kehler Goldonkel von 1802 e.V.

Bei der Figur, handelt es sich um den Kehler Goldonkel, geb. 1802, verstorben am 24.03.1884.
Bericht aus der Zeitung vom 26.03.1884 ( Kopie unter „Goldonkel“ neue Rubrik)
Gestern verbreitete sich mit Blitzesschnelle durch Stadt Kehl die
Nachricht, „ Der Goldonkel ist gestorben.“ Der „Goldonkel“ ist lange Jahre hindurch zu einer typischen Figur in Kehl geworden – ein alter, hagerer Mann mit grauen Bartstoppeln, in der Dienstmütze eines Angestellten, den man, wenn er durch die Straßen ging, beobachten konnte wie er sich zuweilen bückte um Zigarettenstummel, alte Schuhnägel oder dergleichen aufzulesen und als Ersparnis zurückzulegen; von der selben Dürftigkeit, wie er auf der Straße erschien, waren auch seine Genüsse, indem er sich aus Sparsamkeit, bloß die tägliche Nahrung gestattete.
Zuweilen an vaterländischen Festen, zeigte er sich in Uniform mit Schiffhut und Degen an der Seite – er war früher im Staatsdienst als Zollbeamter und lebte seit längeren Jahren im Pensionsstand. Der Goldonkel, war nie verheiratet; vorgestern wurde er während eines Ausganges von einem Schlaganfall betroffen und beschloss gestern, nahezu 82 Jahre alt, nach kurzem Leiden sein Dasein.
Zufolge seiner großen Sparsamkeit sammelte er sich ein sehr beträchtliches Vermögen, das er nun durch Testament an Verwandte hinterlässt.
Der Goldonkel soll die Bindung zwischen der Stadt Kehl und der Narrenzunft Kehler Schlammhexen hervorheben. Mit dieser neuen Figur, wird die Verbundenheit zu unserer Heimat demonstriert und stellt ganz klar den Bezug her.
Da jede Narrenzunft auch ein Stück Heimatverein darstellt, denke ich, dass die Umsetzung und Einbindung des Goldonkels als historischen Figur in die Zunft uns sehr gut gelungen ist.
Der Goldonkel zeigte sich immer an vaterländischen Festen in Uniform. Wie viele wissen , ist die Fastnacht das älteste und bestehende Volksfest seit über 900 Jahren, und wir werden ihn wieder an vaterländischen Festen präsentieren und zwar an der Fastnacht.
Bilder vom deutschen Zollmuseum Hamburg dienten uns als Vorlage. Das Häs ist vom Original kaum zu unterscheiden. Dies wurde sehr schön 1:1 von der Firma Fischer in Schweighausen umgesetzt.. Die Maske wurde von unserem langjährigen Maskenschnitzer Herr Berthold Eble aus Nordrach gefertigt. Als Vorlage dienten ihm handgezeichnete Portraits, welche Thomas Greber, aktives Mitglied der Zunft entworfen hatte
Die Brücke zwischen der Hexe und dem Goldonkel als historischer Figur, soll nun geschlossen werden, um die Verbundenheit zur Stadt und die Identifizierung nach außen, noch stärker zu zeigen.
Ferner sollte noch angemerkt werden, daß der Goldonkel am 24.03.1884 verstorben ist und die Kehler Schlammhexen am 25.03.1995 durch die Mitgliederversammlung gegründet wurde d.h. 111 Jahre und 1 Tag nach dem Tod des Goldonkels.
Eine Zeitspanne also die sich genau mit der Fasnacht identifizieren kann.
(11.11. um 11.11Uhr)
Änderung des Zunftnamens
Am 01. August 2009, fand im Gasthaus Sonne, in Kehl-Neumühl, eine Mitgliederversammlung statt, bei der es um Satzungsänderung und um die Änderung des Zunftnamens, ging. Nach Abstimmung sämtlicher Mitglieder, lautet seit dem 01.August 2009, der Name
Narrenzunft Kehler Schlammhexen mit dem Kehler Goldonkel von 1802 e.V.
Jahreshauptversammlung des Ortenauer Narrenbundes am 16.10.2010 in Urloffen
Aufnahme der Kehler Schlammhexen mit dem Kehler Goldonkel 1802 e.V.
  Die
Kehler Schlammhexen mit dem Kehler Goldonkel 1802 e.V. wurden in den
Ortenauer Narrenbund (Gastzunft) aufgenommen. Karl Hansert stellte die
Zunft vor, die wohl als letzte reine Hexenzunft in den ONB aufgenommen
werden wird. Zehn reine Hexenzünfte sind bereits im ONB organisiert,
fünf weitere im Zusammenhang mit anderen Formationen. Es sollten nicht
zu viele Hexenzünfte werden, meinte Hansert. Bei der Abstimmung über den
Aufnahmeantrag wurden vier Enthaltungen (57 Mitgliedszünften) gezählt.
Zuvor hatten bereits die Kehler Rhinschnooge als Kehler Zunft ihre
Zustimmung erklärt, dass eine weitere Zunft aus Kehl sich im ONB
organisieren könne.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit
Historie erweitert und überarbeitet
durch Steve Altmann
1. Vorstand

|